Mittwoch, 25. Mai 2011

Machen und Welterbe

O.k., die Überschrift ist spontan entstanden und vielleicht auch nicht logisch - aber: Ich habe sie einfach genommen und hingeschrieben und niemanden gefragt, ob er das gut findet. Und genau da ist dann auch der Aufhänger zu diesem Post: Ich würde gern ein paar persönliche Worte zum Thema "Welterbe" loswerden. Für alle, die keine Ahnung haben, worum es eigentlich geht: Es geht um die Wikipedia, Wikimedia und anderen Insiderkram ....Meine Meinung zum Thema selbst spielt übrigens keine Rolle und ich bin nichtmal richtig fertig mit der Meinungsbildung, ob Wikipedia nun Welterbe werden muß oder nicht.

Mir gefällt die Aktion aus anderen Gründen: Sie ist mutig und hinreichend "bescheuert", um spannend zu sein - und sie wurde einfach mal gestartet!

Letzteres nimmt man den Initiatoren allerdings übel - sie hätten fragen sollen, und zwar alle. Die Community will gefragt werden, die Vereinsmitglieder auch - außerdem natürlich die Blogosphäre und die Twittererschar, die Journalisten, Leser, Chapter und natürlich auch jeder einzelne nochmal persönlich. Und die Antworten hätten berücksichtigt werden müssen - vor allem die, die dagegen sind. Ich wollte übrigens nicht gefragt werden, weder als Community, noch als Vereinsmitglied, noch als Individuum; aber ich wurde gefragt, was ich von der Idee halte und ich habe genau das geantwortet, was ich hier geschrieben habe: spannend, macht doch einfach mal und überrrascht uns! Auf diese Weise ist der Schreibwettbewerb entstanden, der Artikelmarathon, Wissenswert, die Academy, Wiki loves monuments, GLAM, skillshare und alle anderen spannenden Projekte, letzlich auch die Wikipedia selbst - nicht durch Fragen und Meinungen abwarten und diskutieren und dann doch wieder verwerfen - sondern durch MACHEN! Das kann nach hinten losgehen - ja, und?

Das was ich so sexy daran finde, finden nun andere scheiße - damit kann man leben. Man kann auch mit den Rants leben und den Anfeindungen, die einem plötzlich in ganz anderen Zusammenhängen um die Ohren geschmettert werden. So werde ich angeranzt, wenn ich Werbung für ein ganz anderes Programm mache: Das Community-Projektbudget, in dem die Community aufgerufen wird, einfach mal zu machen und ihre Ideen in Projekten zu realisieren - 200.000 Euro stehen dafür zur Verfügung, die Bewerbungszeit für die erste Runde läuft am 31. Mai aus - was ist plötzlich böse an diesem Projekt, doch so dringend gewünscht war, dass in der Wikipedia offen die Frage gestellt wurde, was denn die Community mit ihren Millionen machen würde, wenn sie dürfte wie sie wolle? Ich finde diese Frage und die Antwort - das Community-Projektbudget - klasse und bin gespannt, was so alles aus der Community an Ideen und vor allem Initiative kommen wird; und ich will, das viel kommt - so viel, dass die Jury mehr Anträge als Mittel hat und wir uns für das nächste Jahr Gedanken über eine Aufstockung machen müssen.

An die Community: Bitte macht und überrascht mich!

Kommentare:

Gnu1742 hat gesagt…

Meine 17ct: Die Welterbeidee ist mir eigentlich egal. Die WP wird weder daran untergehen noch die Weltherrschaft an sich reißen. Nachvollziehen kann ich dabei aber ein wenig die Verstimmtheit von Vereinsmitgliedern, die die Ankündigung gerne auf der MV gehört hätten. Anyway: Ich war nicht dort, da ich kein Mitglied bin.

Eine Idee hab ich bereits, aber leider kam sie mir erst gestern abend und wird daher in 1 Woche noch nicht spruchreif sein. Außerdem weiß ich nicht, ob sie in den Scope des Budgets fällt (eher nicht).

Und warum ich hier soviel schreibe, obwohl ich einfach nur 'Guter Beitrag' sagen wollte, wird wohl nicht nur mir ein Rätsel bleiben.

Torsten hat gesagt…

Die Community hat gemacht und findet das Ding nicht überzeugend. Ganz und gar nicht.

Welterbe mag ein hervorragendes Projekt für Wikimedia sein, für Wikipedia hingegen ist nichts zu gewinnen. Bekannt ist sie schon über alle Maßen hinaus, die UNESCO ist berüchtigt für unerwünschte Einmischungen und Wikimedia kann nicht definieren, was denn genau geschützt werden soll.

Alle Vorteile liegen bei Wikimedia: Presseveröffentlichung, Spendenpotenzial, ein UNO-Siegel für die Vereinsaktivitäten.

Vielleicht wäre es ehrlicher, wenn es hießen: Wikimedia sollte Weltkulturerbe werden.

Marcus Cyron hat gesagt…

Also selten fand ich mich in einem fremden Blogbeitrag so wieder wie in diesem. Mich stört vor allem die Agressivität der Gegner, die den völligen Untergang des Abendlandes voraus sagen und die völlige Verrohung der Sitten. Weder "AGF" noch "Sei Mutig". Dabei kann ich ja verstehen, wenn man es nicht mag. Aber eben auch, wenn man es gut findfet. Leider gibt es den Respekt für die andere Meinung hier nur von einer Seite. Schade.

poupou hat gesagt…

die welterbeidee finde ich charmant und die daraus für wikimedia entstehenden diskussionstehmen spannend. auch sebaso ist eine bereicherung des geschäftsstellenteams und hat wirklich gute und erstnzunehmende ideen.

wenn aber ein vereinsgeschäftsführer so eine grosse kampagne ohne beteiligung = zustimmung weder des alten noch des neuen vorstandes einfach mal so lostreten und sogar eigens dafür einen projektmanager einstellen kann, stimmt m.e. mit den strukturen etwas nicht.

leute aus der community bekommen von dem community-projekt-geld schließlich erst dann was zu sehen, wenn sie ihr projekt dem community-projekt-kommittee vorgestellt und erklärt und dann dessen zustimmung erhalten haben.

und das ist auch richtig so - denn hier wie bei der welterbe-kampagne geht es darum, gelder sinnvoll auszugeben, die uns von den spendern anvertraut worden sind.

insofern ist dein appell "macht doch einfach mal" (man hätte auch sagen können "sei mutig!") vollkommen korrekt, solange es um initiativen geht, wie schreibwettbewerb, artikelmarathon oder miniaturenwettberb, für die kein einziger spendeneuro notwendig ist. beim geld finde ich etwas weniger mut aber durchaus ein zeichen von seriositat.

Anonym hat gesagt…

Hallo poupou,
Spannende Annahmen:
- wie kommst du auf die Idee, dass die Werbekampagne nicht Teil der vom letzten Vorstand abgesegneten operativen Jahresplanung ist?
- wie kommst du auf die Idee, dass für WKE ein Projektmanager eingestellt wurde?

Gruß,
Achim

poupou hat gesagt…

- nicht vom vorstand abgesegnet: wurde mir auf nachfrage so von vorstandsmitgliedern berichtet, lasse mich gerne korrigieren, falls es anders war und es dazu doch einen beschluss des alten vorstandes gegeben hat

- projektmanager: sebaso hat sich bei der vorstellung des projektes auf dem open space damit vorgestellt, dafür eingestellt worden zu sein und dies ist auch laut wikimedia.de seine aufgabe (die er gut macht, bitte nicht falsch verstehen)

Achim hat gesagt…

Mmh, bezüglich beider Punkte solltest du vielleicht nochmal genauer nachfragen, vor allem wenn du sie so einfach in die Welt posaunst:

1) Natürlich wurde die Kampagne vom letzten Vorstand abgenickt - zuerst im Rahmen der operativen Planung ohne exakte Benennung und später in Form eines Nachtragshaushalts mit konkretem Bezug (beide Male einstimmig). Prinzipiell finde ich es allerdings auch gar nicht schlimm, wenn die GS was eigenes lostritt wie im Fall Wissenswert letztes Jahr geschehen.

2) Sebaso wurde - zumindest meiner Kenntnis nach - '''unter anderem''' für die Kampagne eingestellt. Daneben ist er aktuell zuständig für den Umzug der GS mit der Option Communityspace sowie für weitere Projekte wie z.B. das CPB.

Anonym hat gesagt…

ich finde es sogar sehr gut, wenn die GS oder der GF eigene ideen entwickelt, vor der umsetzung von was auch immer sollte jedoch die zustimmung des vorstandes eingeholt werden.

wenn es einen konkreten beschluss zum welterbe gab: alles bestens, posaune wird eingepackt.

poupou

Pavel hat gesagt…

Natürlich muss es einen Beschluss des Vorstands geben, wenn es um Kampagnen dieser Größenordnung geht. Und den gab es ja auch, wie Achim bereits gesagt hat.

Ich hatte damals vorgeschlagen, dass wir eine Kampagne anlässlich des 10. Jubiläums von Wikipedia machen, mit dem Ziel, über den Wert von Freiem Wissen, über die Bedeutung von Wikipedia und über das Engagement der Freiwilligen, die die Wikipedia schreiben und pflegen, zu berichten und zu diskutieren. Dies ist vom Vorstand angenommen worden und ich bin beauftragt worden, entsprechend eine Kampagne zu starten und durchzuführen.

Das daraus nun die "Wikipedia muss Weltkulturerbe"-Kampagne wurde, lag und liegt jedoch in meiner Verantwortung. Und so ist das mit vielen Dingen, die wir machen: Ich schlage einen Schwerpunkt vor, erkläre, welche Ziele aus dem Kompass 2020 ich denke, damit unterstützen zu können, und erkläre, welche Mittel hierfür notwendig sind. Der Vorstand prüft dies, diskutiert, fragt nach, macht eigene Vorschläge, etc. und entscheidet dann. Die Umsetzung des Beschlusses liegt dann bei mir; ich hätte also im konkreten Fall auch entscheiden können, dass wir keine Kampagne "Wikipedia muss Weltkulturerbe werden" machen, sondern etwas anderes, was m.E. die vom Vorstand vorgegebenen Ziele erreicht, also vielleicht TV-Spots oder eine große Wanderausstellung (die auch tatsächlich mal angedacht wurde). Der Hintergrund ist, dass in der tatsächlichen Umsetzung eine gewisse Flexibilität vorhanden sein muss - wenn ich merke, dass ein projekt nicht läuft, muss ich die Möglichkeit haben, die Richtung des Projekts zu ändern, um die gesetzten Ziele zu erreichen.