Sonntag, 31. Juli 2005

Die kleinste Wildkatze der Welt

Manchmal bringen einen die Wünsche anderer Menschen doch zu sehr interessanten Informationen, so auch im Fall des KodKod. Die im deutschen Sprachraum als Chilenische Waldkatze bekannte Katzenart ist die kleinste in der Wildnis zu findende Katzenart der Welt. Sie lebt ausschließlich in den Wäldern Chiles (und wird auch nur in Chile im Zoo gehalten), wobei ihr auch die Menschen nicht allzu viel ausmachen, die sich in ihrer Heimat niedergelassen haben.

"In ihrer Heimat kommt die Katze in Höhen bis zur Baumgrenze in 1900 bis 2500 Metern vor. Dabei ist sie sehr eng an die feuchten Mischwälder der südlichen Anden sowie der Küstenregionen gebunden, vor allem an die immergrünen Regenwälder mit einem starken Gräserbewuchs im Unterholz. Auch der Lebensraum in Argentinien zeichnet sich entsprechend durch Mischwälder mit starkem Unterbewuchs, Epiphyten und Lianen aus. Neben diesen Gebieten kann die Chilenische Waldkatze auch wesentlich seltener in den laubwerfenden Regenwaldgebieten vorkommen, außerdem im feuchten Buschland und in Nadelgehölzwäldern."

In ihrer Lebensweise unterscheidet sie sich ansonsten kaum von anderen Katzen: Sie ist relativ scheu und jagt Kleinsäuger wie Mäuse - eine typische Katze eben, nur wild.

Sonntag, 17. Juli 2005

Eier im Sturzflug

Irgendwie sind die Libellen ja immer wieder eine spannende Welt für sich. Diese grazilen Flieger sind super schnell, extrem geschickt und ihre Larven für ihren Lebensraum die reinsten Raubtiere. Mit diesem Hintergrund erwartet man eigentlich bei jeder Art spannende Details der Lebensweise, so also auch bei der Gefleckten Heidelibelle, zu der gerade aktuell ein sehr ausführlicher Artikel in der Wikipedia entsteht. Was macht eine Gefeckte Heidelibelle also so besonders gegenüber einer Großen, einer Blutroten oder einer Gemeinen Heidelibelle? Braucht eine Enzyklopädie all diese Viecher, die doch sowieso niemand auseinander halten kann?

Der Fall ist recht einfach: Jede dieser Arten hat ihre spezielle Einnischung gegenüber anderen Arten in ihrem Lebensraum. So findet man die hier geschilderte Art nur dort, wo die Gewässer regelmäßig austrocknen, einem Lebensraum also, der für Libellenlarven, die das Wasser brauchen, erstmal suboptimal erscheint. Noch besser:

"Die Eier, welche keine Gallerthülle besitzen, werden im Tandemflug über trockenem und leicht bewachsenem Grund, der hin- und wieder überschwemmt wird, oder über Feuchtwiesen abgeworfen. Nur sehr selten erfolgt die Eiablage über seicht überschwemmten Bereichen."

Die Eier landen also im Idealfall sogar auf trockenem Boden statt im Wasser. Man lernt also wieder mal: Erst wenn man sehr genau hinschaut beginnt man zu verstehen.

In diesem Sinne, euer Totengräber

Samstag, 16. Juli 2005

Wer suchet der findet (manchmal)

Manchmal ist es doch einfach rührend, wenn man sich darüber informieren möchte, wie manche Tierarten ihre sexuelle Erfüllung finden. Da gibt es Tiefsee-Anglerfische, bei denen das Männchen an den Weibchen anwächst oder Meereswürmer, die sich erst für ein Geschlecht entscheiden, wenn sie auf den Meeresboden fallen - fallen sie auf unbewohntes Gebiet graben sie sich ein und werden Weibchen mit langen Tentakeln, fallen sie auf ein Weibchen dringen sie einfach in dessen Vagina ein und leben dort als kleiner Parasit.

Auch heute bin ich bei der Recherche für einen Artikel auf eine nette Strategie gestoßen: Man laufe einfach in der Gegend rum und besteige alles, was irgendwie nach Weibchen aussieht, irgendwann wirds schon die richtige sein:

"Eine interessante Beobachtung bei dieser Art ist, dass die Männchen offensichtlich nur ein sehr ungenaues Bild vom Aussehen ihrer Weibchen haben. Aus diesem Grund versuchen sie auch, sich mit anderen Heuschreckenweibchen oder auch einfach mit Holzstückchen oder anderen Gegenständen zu verpaaren, die sie auf ihrer Suche finden. Ihren Irrtum stellen sie erst beim Besteigen fest. Es kommt außerdem vor, dass mehrere Männchen gleichzeitig mit einem Weibchen kopulieren wollen und sich dadurch gegenseitig beim Besteigen behindern. Die Weibchen reagieren darauf meistens nach kurzer Zeit mit Paarungsunwilligkeit und wehren die Männchen mit den Hinterbeinen ab."

Diese Strategie verfolgt das Männchen der Blauflügeligen Ödlandschrecke - klingt unbefriedigend aus anthropozentrischer Sicht.

Willi Hennigs Bruder

Der Zoologe und Begründer der phylogenetischen Systematik Willi Hennig hatte einen Bruder, soweit kann man es im Internet sowohl in der Wikipedia als auch in dem noch jungen Projekt Wikiweise nachlesen, wohin der WP-Text kopiert wurde- allerdings vor einer kleinen aber entscheidenden Änderung. Da die Betreiber des weisen Wikis leider nicht auf den Korrekturvorschlag via Mail reagierten bleibt der Bruder dort bis heute bei Leningrad verschollen, dem heutigen Sankt Petersburg . Da wird man lange suchen müssen, wenn man ihn dort vermutet.

Mittwoch, 13. Juli 2005

Der Candirú

Auch unter den Fischen gibt es teilweise sehr spezielle Genossen, deren Lebensweise denn auch gestandene Biologen verblüffen kann. So stellte ein solcher vor wenigen Stunden in der Wikipedia die Lebensweise eines kleinen und vor allem schlanken Fisches in Frage, des Candirú .

Wenn man sich den Artikel anschaut,kann man diese Zweifel allerdings auch nur zu gut nachvollziehen, denn die Lebensweise des Fisches liest sich wie aus dem Drehbuch eines Indiana Jones-Filmes . So wieß der Artikel korrekt zu berichten: "''Er ist bei den Eingeborenen gefürchtet weil er durch das Blut oder den Urin Badender angelockt wird und, falls die Person nackt ist, in eine der Körperöffnungen schwimmen kann - entweder in Vagina, Rektum oder — im Falle kleinerer Fische — auch in den Penis und weiter hinauf in der Harnröhre. Der Candirú ist dann fast nicht mehr ohne operativen Eingriff zu entfernen, häufig nur durch Amputation des betroffenen Bereichs.''"

Die Moral von der Geschichte: Niemals nackt baden gehen, wenn man im Amazonas schwimmen gehen will - könnte schmerzhaft werden.

Sonntag, 10. Juli 2005

Bundesverdienstkreuz für Bakterienforschung

Zugegeben, ganz neu ist die Meldung nicht, aber wann kommt man denn schon zum lesen. Am 31. März 2005 erhielt der Göttinger Mikrobiologe und Genomforscher Gerhard Gottschalk das Bundesverdienstkreuz für seine "fundamentalen Forschungsergebnisse über den Stoffwechsel von Bakterien und Archaebakterien."

Mal ganz im Ernst: Ich wußte bislang gar nicht, dass diese Auszeichnung auch an Wissenschaftler gehen kann, die sich den ganzen Tag im Labor aufhalten und unzählige Gene zu Genomen zusammen puzzlen. Ich finde es beruhigend zu wissen, dass auch diese Menschen Beachtung in der großen Politik finden und ihre Arbeiten geschätzt und prämiert werden - trotzdem bin ich froh, dass ich kein Pipettenschwinger geworden bin und nur eine solche geheiratet habe.

Samstag, 9. Juli 2005

Gans zu Putlitz

Ein Schelm, wer bei diesen Worten an etwas Eßbares, eine alte Sage oder auch eine verschollene Haustierrasse denkt - Alles falsch. Die Gans zu Putlitz "gehört dem märkischen Uradel an und zählte insbesondere in den Jahrhunderten des Spätmittelalters zu den einflussreichsten Familien in der Brandenburger Prignitz." - Danke für diesen wunderbaren Artikel, der erst gestern das Licht der Wikipediawelt erblicken durfte und bereits jetzt den steinigen Weg in die Exzellenten Artikel erklimmen darf.

Donnerstag, 7. Juli 2005

Die Anakonda und der Mensch

Heute habe ich dank eines Nachbarblogs , welches sich interessanterweise der Demontierung der deutschsprachigen Wikipedia widmet, einen spannenden Wikipedia-Artikel lesen dürfen: Anacondas: Die Jagd nach der Blut-Orchidee , die Beschreibung eines superschlechten B-Movies über eine Horroranakonda auf Borneo (!).

Im Gegensatz zu dem Autor des benannten Blogs bin ich allerdings sehr froh, dass es diesen Artikel in der Wikipedia gibt, beschreibt er doch wunderbar, wie reißerisch und uninformiert Leuten die Tierwelt dargebracht wird. Während das Original Anaconda zumindest noch den realen Lebenraum der Schlangen am Amazonas zeigt, baut dieser Film nur noch auf den Monstereffekten der Riesenschlange auf. Scheißfilm also - aber schön, dass das auch in der Wikipedia steht.

Der Totengräber auf Reisen

Zu Beginn eine Willkommensmeldung an alle Surfer, die zufällig den Weg hierher gefunden haben sollten. Hier sollen in Zukunft unregelmäßig Artikel entstehen über alles mögliche, was einen Totengräber wie mich interessiert, vor allem wohl Neuigkeiten aus der Tierwelt und der Wikipedia , sicher auch ergänzt durch Berichte anderer Projekte, weitere Nachrichten und Informelles.

Zum Namen: Der Totengräber ist kein Grufti , auch wenn der Name etwas derartiges vermuten lassen könnte. Vielmehr handelt es sich um einen kleinen Käfer, mit dessen (wissenschaftlichen) Namen Necrophorus ich mittlerweile seit einigen Jahren durchs Internet diffundiere.

Trotz allem: Carpe noctem