Sonntag, 7. August 2005

Kooperation und Konkurrenz

Ein weiteres mal bin ich bei der Ausarbeitung eines Artikels auf ein spannendes Verhaltensmuster im Tierreich gestoßen, welches sich prima unter dem Titel "Kooperation und Konkurrenz" behandeln läßt. Es handelt sich dabei um das Paarungsverhalten des Gemeinen Seitenfleckleguans, der in den Trockengebieten Nordamerikas lebt:

"Das Paarungsverhalten der Seitenfleckleguane wird vor allem durch die Männchen bestimmt, die sich entsprechend ihrem Aussehen sehr unterschiedlich verhalten. So gibt es innerhalb der einzelnen Populationen unter den männlichen Tieren Exemplare mit blauer, gelber und orangefarbener Kehlfärbung, die ein jeweils anderes Paarungsverhalten aufweisen:

* Die orangefarbenen Männchen sind sehr aggressiv und verpaaren sich mit möglichst vielen Weibchen, wobei sie auch andere Männchen bedrohen und diese zur Freigabe ihrer Weibchen drängen.
* die gelben Männchen verstecken sich in der Regel und paaren sich mit Weibchen, wenn sie diese in unbeobachteten Momenten allein vorfinden. Sie nutzen dabei die Unaufmerksamkeiten der anderen Männchen.
* die blauen Männchen verteidigen ihre Weibchen gegen andere Männchen und sind entsprechend sehr stark auf einzelne Weibchen fixiert.

Aus diesen unterschiedlichen Verhaltensweise resultieren verschiedene Konfliktsituationen. So attackieren orangefarbene Männchen regelmäßig die blauen Männchen und sind denen im Regelfall auch überlegen, wodurch sie ihnen das Weibchen wegnehmen. Die gelben Männchen sind weniger aggressiv und werden von den aufmerksamen blauen Männchen im Regelfall verjagd, können jedoch von der Unaufmerksamkeit der orangefarbenen Männchen profitieren und sich mit den Weibchen dieser Männchen verpaaren. Aufgrund dieser Konstellation kommt es zu einem Gleichgewicht, bei dem alle drei Typen koexistieren und die Gene für Färbung und Verhalten innerhalb der Population im Gleichgewicht gehalten werden."


Soviel zur Konkurrenz, doch wo bleibt da die Kooperation? Diese wird bei genauerer Betrachtung des Umgangs der Vertreter gleicher Farbe deutlich:

"Eine weitere Beobachtung der Forscher war, dass sich blaue Männchen im Regelfall in der Nähe von anderen blauen Männchen ansiedeln, die allerdings nur sehr selten Geschwister sind. Die Nachbarn achten in diesem Fall gemeinsam auf die zugehörigen Weibchen und kooperieren auch bei der Verteidigung gegen die orangefarbenen Tiere und haben entsprechend einen wesentlichen Vorteil gegenüber diesen. Auch orangenfarbene Männchen siedeln bevorzugt in der Nähe von blauen Männchen ohne weitere blaue Nachbarn, da hier die Chance auf den Fortpflanzungserfolg am größten ist, dagegen ist es für sie ungünstig, ebenfalls orangefarbene Nachbarn zu haben."

Man lernt eben nie aus und ich persönlich stolpere nur zu gern immer wieder über die spannenden Verhaltensweisen, die eigentlich bei jeder Tierart auftauchen können.

Dienstag, 2. August 2005

Gene gegen Nematoden

Obwohl der Nobelpreis der mit Abstand bekannteste internationale Preis für wissenschaftliche Leistungen ist, gibt es durchaus Anerkennungen, die höher dotiert und nur national bekannt sein. Einer dieser Preise ist der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis, der alljählich von der DFG an herausragende Wissenschaftler vergeben wird. Einer der begehrten Preise ging 2005 an den Pflanzengenetiker Christian Jung:

"Das Forschungsgebiet von Christian Jung liegt im Bereich der molekularen Züchtungsforschung und in der Entwicklung schädlingsresistenter Nutzpflanzen. Mit Hilfe eines Gens aus wilden Rüben gelang es ihm, Zuckerrüben resistent gegenüber pathogenen Fadenwürmern zu machen. Auch die molekulare Geschlechtsbestimmung der Pflanzen stellt einen Arbeitsbereich von Christian Jung dar."

Ich bin mal gespannt, ob ich über diesen Menschen irgendwann etwas im Brockhaus oder anderen Nachschlagewerken lesen kann.