Samstag, 31. Dezember 2011

6033

Vorweg eine Warnung an alle Nicht-Wikipedianer:
Der folgende Text könnte euch maßlos langweilen, denn er wird genau das enthalten, was drübersteht: Einen furztrockenen Jahresrückblick eines Wikipedianers, mit vielen für euch sicher anödenden Passagen und Interna - vielleicht solltet ihr also statt hier weiterzulesen doch lieber einen Spaziergang zum nächsten netten Café machen ... Falls nicht: Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Achya: Parallel zu diesem Blog haben sich auch lyzzy und southpark aufgemacht, das Jahr 2011 wikipedianisch rückblickend zu betrachten; daher auch der komische Name: 3 mal 2011 macht ... 6033. Ihr findet sie unter 6033 und 6033.

Ob ich jetzt alles Wichtige erfasst habe - ich weiß es nicht. Nun denn, beginnen wir doch gleich am Anfang, beim Januar ...

Januar
Gleich Anfang Januar ein Highlight: eine Einladung der Wikimedia Foundation bringt mich in das fast frühlingshafte San Francisco, wo ich als externer Beobachter des Wikimedia Ambassador-Programms teilnehmen und ein paar interessante Tage verbringen durfte - gemeinsam mit dem Outreach Team von Frank Schulenburg und drei weiteren sehr netten internationalen Beobachtern aus Israel, Schweden und Brasilien. Abseits des Wikimedia-Umfelds wird der Besuch des San Francisco Museum of Modern Art zu einem Highlight.

Die ersten Monate 2011 standen ansonsten vor allem im Schatten der Vereinsaktivitäten für den Wikimedia Deutschland e.V. Hier war ich seit September Vorstandsreferent für den Bereich Qualität und unterstützte so den damals aktuellen Vorstand sehr aktiv bei den Beratungen zu den Zielsetzungen für das kommende Jahr. Gerade zu diesem Zeitpunkt schwebte über dem Vorstand jedoch das Damokles-Schwert eines Mißtrauensantrags. Der kam zwar nicht durch, war trotzdem anstrengend.

Und die Wikipedia? - Artikeltechnisch sehr enttäuschend. Neben ein paar Grammy-Listen kann ich kaum Neuanlagen aufweisen, immerhin wird Grammy Award for Best Metal Performance als erste Grammy-Liste als informative Liste augenommen, ihr sollen in den kommenden Monaten einige weitere folgen.

Februar
Da mir zum Februar spontan gerade gar nichts mit Wikipedia/Wikimedia-Bezug einfällt, kann hier nicht allzu viel Wichtiges passiert sein, oder?

März
Der März steht wie in jedem Jahr im Zeichen des Schreibwettbewerbs - nur: Wie soll man da mitspielen, wenn man kaum Zeit hat. Ich habe mich auf einen Artikel zu einem Bakterium verlegt, mit dem ich beruflich zu tun hatte: Clostridium ljungdahlii, ein unspannender aber immerhin überschaubarer Artikel, mit dem ich in meiner Sektion immerhin den Rang 5 erreichen konnte. Der Sieger in dem Spektakel: Wahrerwattwurms Stade Reims.

Allerdings war da noch was anderes: Am 19. März 2011 fand die Mitgliederversammlung des Wikimedia Deutschland e.V. statt - nur zwei Monate nach der außerordentlichen MV im Januar. Ich hatte mich mittlerweile entschieden, für den Vorstand als Beisitzer zu kandidieren und diesen damit vor allem im Bereich der Qualitätsentwicklung und Freiwilligenförderung zu unterstützen. Naiv wie ich war ging ich davon aus, dass ein Mensch mit dem direkten Kontakt zu den Communities ja nicht so verkehrt sein sollte in einem Gremium, dass genau diese Communities unterstützen soll. Ich wurde tatsächlich gewählt, knapp nach Michail sogar mit der zweithöchsten Stimmanzahl. Von nun an also war ich Teil des Vorstands von Wikimedia Deutschland e.V. - zumindest bis zum Juli.

April
Am 4. April 2011 starte ich dieses Blog - vor allem durch southparks "iberty"-Blog gewinnt die Blogluust nun doch und ich starte einfach mal. Als erstes Highlight erscheint der vielgelesene Beitrag "Fukushima und die German Angst" am 15. April und in "Countdown läuft" arbeite ich meine persönliche Bilanz aus 14. Schreibwettbewerben auf. Obwohl anfangs für alle möglicghen Themen gestartet, verschiebt sich das Artikelspektrum recht rasch auf reine Wikipedia/Wikimedia-Themen.

Mai
Im Mai endlich mal wieder eine umfassende Artikelüberarbeitung mit abschliessender Lesenswertauszeichnung: Der Artikel Vagina. Leider tatsächlich im Jahr 2011 meine einzige Artikelauszeichnung, eine enttäuschende Bilanz ... Allerdings passiert artikeltechnisch im Mai doch einiges - ich habe spontan einen Miniaturenwettstreit ausgeschrieben, der recht gut angenommen wird: Über 50 Artikelchen werden nominiert, darunter einige echte Perlen wie die Gewinner Crimmitschauer Streik, Berliner Rahmen, Kuhschubsen und Fore-edge Painting. Ich selbst beteilige mich mit mehreren Miniaturen zu Gemälden von Lovis Corinth, einer meiner Hauptbaustellen 2011 und John Frederick Peto, einem amerikanischen Maler.

In "A Day at the Races" schildere ich meinen ersten Besuch bei einem Pferderennen ever - mit drei WikipedianerInnen und meinem Sohn - ein toller Sonntag.

Und dann darf natürlich Community-Projektbudget des Wikimedia Deutschland e.V. an dieser Stelle nicht fehlen. Die Einreichfrist lief bis zum 31. Mai und nach einzelnen Diskussionen im Vorstand reichte auch ich (als Wikipedianer) zwei Anträge ein (nachlesbar) - hätte ich das nur gelassen, aber dazu mehr im Juli ...

Juni
Am ersten Wochenende im Juni traf sich die Redaktion der Wikipedia-Biologen zum jährlichen Lebewesentreffen, das diesmal erstmalig außerhalb der deutschsprachigen Grenzen in einem Ort namens Dunabogdány (hat noch keinen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel) nahe Budapest in Ungarn stattfand. Wie jedes Jahr war das Treffen geprägt von langen Wanderungen, jeder Menge biologischer Klugscheißerei, Botanisierung, Schmetterlingsnetzschwingen und Fotografieren und natürlich von tollen Gesprächen, weinreichen Abenden und jeder Menge Spaß.

Ein weiteres Highlight im Juni: "Wikipedia trifft Altertum" - die Wikipedianer Martin Rulsch, Marcus Cyron und Johannes Groß organisieren eine Tagung in der Universität Göttingen, in der sie renomierte Wissenschaftler auf Wikipedianer treffen lassen. Die Stimmung ist prima, das Programm ebenfalls (ich berichtete)- und gemeinsam mit Ralf und Michail sind wir sogar mit drei Vorstandsmitgliedern des Vereins vertreten; dass es im Hintergund Orga-Probleme mit der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland gab, erfahre ich erst im Nachhinein und es ärgert mich ernsthaft.

Am 9. Juni schrieb der Wikipedianer Rob Irgendwer unter dem Titel "Warum ich noch mispiele" einen wunderbaren Artikel über seine Motivation als Wikipedianer

Ja, und dann war da noch ein eifriger Sensationsreporter namens Marvin Oppong, der mir die kommenden Monate mächtig auf die Eier gehen sollte: Der "Enthüllungsjournalist" versucht aus meinem Engagement für das Projekt Nachwachsende Rohstoffe und meine Beratungstätigkeiten einen Skandal zu basteln und belästigt mich und andere mit unverschämten Mails (ich berichtete mehrfach, wirklich). Das Ergebnis erscheint im November in der Zeit unter dem Titel "Wikipedia und Wahrheit".

Und zum Ende Juni knallt's dann nochmal, diesmal im Kontext des Community-Projektbudgets. Nach langer Informationssperre durch den Schatzmeister Olaf K. an den Vorstand bezüglich des CPB entschließt sich der Vorstitzende Sebastian dazu, sich (und dem Restvorstand) die gewünschten Informationen zum Fortgang selbst zu beschaffen und verschafft den Vorständlern Einblicksrechte in das interne Wiki des Vorstands - eine dumme aber nachvollziehbare Aktion mit Konsequenz: Rücktritte aus dem Ausschuß, seitenlange Diskussionen, viel böses Blut bis weit in den Juli.

Juli
Aus dem Juli will ich eigentlich gar nicht viel berichten - im Wikimedia-Kontext der beschissenste Monat ever. Die Streitigkeiten um den CPB-Ausschuß spitzen sich zu und eskalieren in Korruptionsvorwürfen, Vorwürfen, zu weit von der Community entfernt zu sein - bitte? - und persönlichen Beleidigungen - unter anderem gegen meine Person, da ich es ja gewagt hatte, auch Anträge zu stellen.

Den Höhepunkt stellt ein Mail von Olaf Simons in der öffentlich einsehbaren Mailingliste des Vereins dar, in der er mir Korruption und Vetternwirtschaft vorwirft - cut ... nachdem bereits lyzzy als langjährige zweite Vorsitzende ihr Amt niedergelegt hat, ziehe auch ich die Notbremse und trete am 18. Juli aus dem Vorstand zurück, beide Anträge werden zurückgezogen und alle Community-Events (vor allem die WikiCon) für die kommenden Monate gecancelt.

Die Zeit danach wird ruhig, statt der Wikipedia widme ich mich twick.it und lege Twicks für alle Staaten der Erde an.

August
Am ersten August-Wochenende spitzt sich im Wikimedia-Universum alles auf ein Highlight zu: Die Wikimania in Haifa - nicht für mich, denn ich habe Karten für das Wacken-Open-Air und geniesse das erste August-Wochenende bei Sonne- und-Regenmix in Schleswig-Holstein. Metalberieselung pur, dazwischen ein kurzes Treffen mit den Wikipedianern Zyκurε, buckfish und ixitixel Die dortigen Headliner Motörhead haben seit Jahresende dank Benutzer Siechfred einen exzellenten Artikel.

Zum Ende August stolpere ich erstmals über ein Autorenspiel der englischsprachigen Wikipedia mit dem Namen WikiCup - ich beschliesse, dieses für die deutschsprachige Wikipedia zu modifizieren und 2012 ebenfalls zu starten. Ich will wieder zurück zu dem, was ich kann: Artikel schreiben - aber der Frust der vergangenen Monate blockiert und frisst an der Seele ...

September
Anfang September wage ich ein Experiment: mal wieder in Wikisource editieren - und falle voll auf die Schnauze. Da sich bei mir mittlerweile etliche gemeinfreie kunsthistorische Bücher zur Kunstgeschichte des beginnenden 20. Jahrhunderts ansammeln, hielt ich es für sinnvoll, diese dort einzuspeisen. Doch nicht nur, dass ich vollkommen unfähig bin, trotz Wikiaffinität etwas beizutragen - die Resonanz ist auch noch so unfreundlich, dass ich diese Erfahrung erstmal wieder als solche verbuche und auch dieses Thema begrabe.

Der September steht jedoch vollkommen im Zeichen von Wiki loves Monument. Bereits in den vergangenen Monaten wurden hunderte Denkmallisten angelegt, Artikel zu Einzeldenkmälern geschrieben und auch erste Bildexpeditionen durchgeführt - im September jedoch ging es richtig los. Auch ich verbrachte eigentlich jeden freien Tag gemeinsam mit meiner Tochter oder meinem Sohn auf der Fotografenpiste, vor allem in den Dörfen rund um Erftstadt, Kerpen und Bergheim sowie in Köln. In den vier Wochen konnte ich Hunderte Bilder hochladen (und habe nochmal sicher die gleiche Menge auf meiner Festplatte) - ein Riesenspaß! In diesem Sinne nochmal den herzlichsten Dank an die Organisatoren.

Doch auch an anderer Stelle passierte etwas: Ich konnte als Dozent in einem kleinen Kurs an der Volkshochschule Erftstadt den ersten VHS-Kurs im Kontext von "Silberwissen", einer Initiative um ältere Internetbenutzer zur Wikipedia zu bringen, veranstalten. Der Kreis war klein, aber erlesen - und von den sechs Teilnehmern editieren bis heute vier relativ regelmäßig und hochwertig. Ich merke, dass es Spaß macht, Neulinge zu betreuen - und sehe zugleich, wie schwer sie es haben, all die Hürden der Wikipedia zu überwinden.

Doch noch ist der September nicht zu Ende: Die Diskussionen zum geplanten Bildfilter eskalieren und die deutschsprachige Wikipedia ist in Revoluzzerstimmung. Auf der Podiumsdiskussion bei der WikiCon greift der Wikipedianer Carbidfisher den Vorsitzenden de Boards der Wikimedia Foundation Ting verbal an, die Mailinglisten kochen über und Sue Gardner, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, sieht sich in einem vielbeachteten Blogbeitrag genötigt, den ungeheuer aggressiven Ton der Diskussion anzukreiden - nicht jedoch ohne all jene, die sich gegen den Bidfilter auflehnen, als "provocateurs and agitators" zu beschimpfen. Im Mittelpunkt der Geschichte immer wieder der Vorwurf, dass es die Deutschen gewagt haben, eine Vulva auf ihrer Hauptseite zu platzieren und damit die Notwendigkeit eines solchen Filters unterstrichen haben. Durch diesen Beitrag fühle ich mich genötigt, den ersten englischsprachigen Artikel als offenen Brief an Sue in diesem Blog zu veröffentlichen: "A story about a vulva picture - an open letter to Sue Gardner" wird international gelesen und diskutiert, Sue bekräftigt, dass sie das doch alles soo nicht meinte und vor allem ich - der Autor des Vulva-Artikels - gar nicht gemeint sei. Die Diskussionen gehen weiter, in der deutschsprachigen Wikipedia steigert sich der Protest in das White-Bag-Movement und im November kommt Sue nach Deutschland - und sagt eigentlich auch nix Neues. Und der Bildfilter? Man hört, er sei erstmal gestoppt und schlummert, bis eine brauchbare Lösung gefunden sei - im Zweifel auch gegen den Willen der deutschsprachigen oder anderer Communities.

Oktober
Und warum schreibe ich im September nichts über den Schreibwettbewerb? - Ganz einfach, im September hatte ich damit nichts zu tun. In dieser Runde war ich Juror und zwar in genau der Sektion, von der ich zugegebenermassen am allerwenigsten einen Plan habe. Der Grund hierfür lag im August - in der Sektion Gesellschaftswissenschaft und der ganze Rest wollten sich nicht genügend Kandidaten für die Jury finden und damit wenigstens etwas Auswahl bestand, habe ich mich kurzerhand ebenfalls nomoniert - und dabei klar gestellt, dass ich eigentlich eine ganz blöde Wahl wäre. Nun - ich wurde gewählt (warum?) und war somit Jurur, gemeinsam mit dem Wahrenwattwurm, der ja den Frühjahrswettbewerb für sich entscheiden konnte. Das Jurywochenende fand am Ende Oktober in Altona statt (so ein Anhängsel bei Hamburg) und war trotz der leider nicht in überquellender Anzahl vorhandenen Artikel prima, ebenso wie der Abend beim Hamburger Stammtisch. Gewinner wurde übrigens das Massaker von Katyn.

Über den Hamburger Stammtisch nur so viel: Es waren sehr viele bekannte und noch mehr mir bis dahin unbekannte Menschen zugegen und ich hatte viele spannende Gespräche mit Autoren, Kartenmalern und Fotografen - und natürlich hatte ich sehr viel Spaß.

November
Herr Oppong bringt Achim in die Zeit - eine ganze Seite zu den dunklen Machenschaften des bösen Raschka: "Wikipedia und Wahrheit". Ich lasse das mal unkommentiert ...

Darüber hinaus ist der November entspannt, ich komme langsam wieder zurück ans Schreiben und spare mir die Fahrt zur MV und zum Gespräch mit Sue nach Hannover. Trotz Abwesenheit kann ich zumindest Spuren hinterlassen: Die MV beschliesst eine Pflicht zur Veröffentlichung der Tagesordnungen und Protokolle aller Sitzungen der Vereinsorgane., die ich beantragt hatte.

Dezember
Der Dezember startet ruhig und plätschert so auch vor sich hin - zumindest bezogen auf die Wikipedia. Ich übersetze den Artikel zu einer auf Madagaskar lebenden Fledermausart und stelle ihn als ersten Artikel seit der Vagina zur Kandidatur; kurz darauf starte ich mit dem Ausbau des Artikels zum Tibetfuchs.

Einen Lichtblick gibt es noch zum Jahresende: Der Artikelmarathon läuft sehr nett - ich habe mich zwar an der ersten Runde nur mit drei Artikeln beteiligt, die zweite Runde wurde es immerhin 25. Der Fokus: Felltiere - vor allem Raubtiere - hier zeichnet sich nämlich ab, dass wir 2012 das Themenfeld abschliessen können. Zumindest die Skunks und Marder konnte ich in diesem Rahmen vervollständigen.

... und wie geht's weiter?
Ich fand das Jahr im Rückblick als Wikipedianer zwar ereignisreich, als Autor jedoch wenig erfüllend. Vor allem ist eine Menge Spaß am Schreiben abhanden gekommen, den ich im Jahr 2012 gern wieder reinholen möchte. Noch am 31.12 konnte ich den WikiCup soweit vorbereiten, dass er tatsächlich am 1. Januar starten kann.

Und zum Verein: Ich gebe zu, das "Geh mir wech"-Gefühl bleibt bestehen, allerdings kandidiere ich gerade für die Jury zum Zedler-Preis, der im kommenden Jahr erstmalig in neuer Form vergeben werden soll ....

Für mich kann das Motto 2012 also nur eines heissen:

Back to the roots! Endlich wieder Autor werden

Bilder: Achim in San Francisco: Sage Ross (CC-by-sa 3.0); Porträt zur Vorstandswahl: Martina Nolte (CC-by-sa 3.0); Nafar, der Gewinner beim 2. Rennen (Königstreuen-Rennen) beim Zieleinlauf: Achim Raschka (CC-by-sa 3.0); Lebewesentreffen: Anonym (CC-by-sa 3.0); Wikipedianer in Wacken: Anonym (CC-by-sa 3.0);

Sonntag, 11. Dezember 2011

Dunkle Künste

Robert Glashüttner greift im Blog des FM4@ORF.at den Fall der überführten und anschliessend ziemlich hart abgestraften PR-Agentur Bell Portinger auf - diese hatten sich gebrüstet, neben Suchmaschinenoptimierung auch problemlos Wikipedia-Artikel manipulieren zu können.

Soweit bekannt - spannend finde ich den letzten Absatz des Posts:

es fehlt an konkreten Maßnahmen, wie man manipulative Autor/innen überführt und gleichzeitig ein transparentes System schafft, bei dem Firmen, Vereine und Personen mithelfen können, Fakten über sich selbst zu verbessern und zu korrigieren. Derzeit gibt es nur allgemeine - wenn auch stellenweise sehr präzise formulierte - Richtlinien zur Erstellung und Editieren von Einträgen. Interessenskonflikte werden dort streng gehandhabt, von "eigenen" Einträgen wird gänzlich abgeraten. Diese Politik ist einerseits verständlich, führt aber leider auch dazu, dass manipulative Strategien aus dem Untergrund beflügelt werden. Verbotene Dinge sind bekanntermaßen immer besonders interessant.

Diesen Teil kann ich nur unterschreiben. Heute sind Unternehmen, Vereine und vor allem PR-Abteilungen, die korrekte Inhalte in ihre Artikel einbringen, unerwünscht und werden als "Selbstdarsteller" beschimpft - die Option, dass sie nicht selten tatsächlich mithelfen könnten, Inhalte zu verbessern, wird vehemenet verneint, der eigentlich als Grundsatz bestehende Spruch "Geh von guten Absichten aus" wird hier vollkommen negiert - im Gegenteil wird unterstellt, dass PR-Profies grundsätzlich und immer Unwahrheiten und Werbung produzieren. Ich halte dies bekanntermassen für Blödsinn: Wenn man Unternehmen die Spielregeln der Wikipedia erklärt hat man die Chance, dass sie sich daran halten - nur muß man Ihnen dann auch die Chance geben, beizutragen.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Der neue Zedler-Preis für Freies Wissen

Man verzeihe mir da cross-posting mit dem Wikipedia-Kurier:

Gestern vergab die bekannte Organisation Reporter ohne Grenzen ihre diesjährigen Auszeichnungen für Menschenrechte und Pressefreiheit an den syrischen Karikaturisten Ali Ferzat und die Wochenzeitung Weekly Eleven News aus Myanmar und ebenfaklls gestern wurden die Künstler benannt, die 2012 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen werden. So machen sowohl die einen wie auch die anderen auf ihre spezifischen Interessen aufmerksam und ehren Personen, deren Werk mit diesen Visionen verknüpft ist.

Ab 2012 möchte auch der Wikimedia Deutschland e.V. Personen und vor allem Projekte ehren, die für das Freie Wissen stehen - aus dem Grund wurde der in den letzten Jahren als Zedler-Medaille vergebene Zedler-Preis neu aufgelegt und vollständig umgebaut - zu einem Preis, mit dem in Zukunft jedes Jahr Personen, Gruppen oder Projekte ausgezeichnet werden sollen, die sich im Vorjahrahr ganz besonders für Freies Wissen engagiert haben.

Der Zedler-Preis wird in seinem ersten Jahr in drei verschiedenen Kategorien vergeben:

* Wikipedia-Artikel des Jahres
* Community-Projekt des Jahres
* Projekt des Jahres (extern)


In den Folgejahren soll der Radius der Auszeichnung erweitert werden und neue Kategorien und Zielgruppen hinzukommen.

Damit dies allerdings erfolgreich wird, möchten wir euch gewinnen, diese Initiative zu unterstützen und gemeinsam mit WMDE zu gestalten. So sollen noch in diesem Jahr die Juries für die einzelnen Kategorien nominiert und gewählt werden - auf Wikipedia:Zedler-Preis/Jury 2011 können noch bis zum 11.12 sowohl Community-Vertreter wie auch externe Juroren nominiert werden. Bis zum Januar sollen dann Artikel und Projekte nominiert werden, die von der Jury begutachtet werden - die Nominierung findet auf Wikipedia:Zedler-Preis/Vorschläge 2011 statt. Zeigt uns, welche Artikel und Projekte im Wikimedia-Universum und darüber hinaus euch im Jahr 2011 besonders fasziniert, überrascht oder bewegt haben und helft uns, den Zedler-Preis zum Erfolg zu führen.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Wenn ich jetzt etwas Zeit hätte ...

... würde ich den heute erscheinenden Artikel in der Zeit hier kommentieren. So weise ich einfach mal darauf hin, dass der langerwartete Artikel des Aufklärungsjournalisten Marvin Oppong nun endlich erschienen ist.

Wer also mal die böse Seite von Achim Raschka kennenlernen möchte, dem sei die Lektüre anempfohlen - auch wenn ich etwas enttäuscht bin von der Flachheit der Polemik, der trotz tausender beantworteter Fragen noch immer vorhandenen Unkenntnis über das beschriebene Projekt, meine Rolle darin und der Wikipedia generell (ganz zu schweigen von den Biokunststoffen, mit denen er sich mal befassen sollte).

Spannend übrigens auch der Schnipsel auf seiner Homepage:
Im November 2010 habe ich mit einer Recherche-Skizze zum Thema „verdeckte PR bei Wikipedia“ ein Recherchestipendium des jährlich ausgeschriebenen Otto Brenner Preises für kritischen Journalismus gewonnen. Die Recherche wurde geheim gehalten, um das Rechercheergebnis nicht zu gefährden. Die Ergebnisse meiner Recherche kann man in dem Artikel „Wikipedia und Wahrheit“ in der aktuellen ZEIT-Ausgabe 49/2011 nachlesen.

Nuya, lasse ich mal unkommentiert ....